Gestern Nachmittag machte ich mich auf den Weg zur djangocon.eu in Amsterdam. Natürlich mit der Bahn, denn wer mich kennt, weiss dass ich ein notorischer Autoverweigerer, Ungern-Flieger und Bahnbefürworter bin. Leider gilt auch im Jahr 2011, dass Bahnfahren nach wie vor ein Abenteuer ist. Sicherlich war mein Abenteuer nicht so dramatisch, wie das, welches mein Kollege Marcus Schwarze erlebte. Dennoch wurde mir einiges geboten.
Der Vorschlag der Bahn zu meiner Reise nach Amsterdam sah wie folgt aus:
- 16:16 Uhr mit RE 5 von Koblenz nach Düsseldorf. Geplante Ankunft 18:01 Uhr auf Gleis 17.
- Von Gleis 18 um 18:14 Uhr mit ICE 122 von Düsseldorf nach Amsterdam Ceentral. Geplante Ankunft 20:28 Uhr.
Wie in 90% aller Fälle sind Pläne dieser Art sehr ambitioniert. Umso mehr überrascht es mich, dass diese oft genug funktionieren.
Aus einem Bauchgefühl heraus und weil ich mit meiner leichten Erkältung keine sportlichen Höchstleistungen mit Gepäck vollbringen wollte, entschloss ich mich schon um 15:16 Uhr mit RE 5 nach Düsseldorf zu fahren. Eine Stunde kann man leicht bei Starbucks usw. totschlagen.
Wie so oft behielt mein Bauchgefühl recht. Ohne Not, denn von einem Unwetter war noch nichts zu sehen und zu hören, fuhr der Regionalexpress mit gut 5 Minuten Verspätung in Koblenz los. Natürlich verringerte sich diese Verspätung während der Fahrt nicht...
Bis ca. 17:55 Uhr war in Düsseldorf noch alles in Ordnung und ich ging davon aus, dass ich pünktlich mit ICE 122 nach Amsterdam fahren würde. Die zu diesem Zeitpunkt angezeigten 5 Minuten Verspätung sehe ich in der Regel als "pünktlich" an. Aber ab diesem Zeitpunkt arbeiteten wir uns sukzessive von 5 über 15 zu 45 Minuten Verspätung hoch. Irgendwann wurden dann Durchsagen gemacht, die mitteilten, dass es im Raum Köln Unwetter gibt, die zu diesen Verzögerungen führen.
Kann passieren und im Zweifel geht die Sicherheit immer vor.
Um 19:12 Uhr war es dann so weit - mein Zug fuhr in den Bahnhof ein. Leider hatte die Bahn bis zu diesem Zeitpunkt mit keinem Ton erwähnt, dass er nicht auf Gleis 18 sondern auf Gleis 6 einfuhr. Da war sie nun, meine Chance mich sportlich zu betätigen. Ich habe die Prüfung im leichten Geländelauf mit mittlerem Marschgepäck mit Bravour bewältigt und stand, noch bevor der Zug ganz eingefahren war, an der Stelle, wo mein 1. Klasse Wagen halten sollte. Leider fuhr der Zug in umgekehrter Reihenfolge, was weder durchgesagt noch angezeigt wurde. Also folgte die 2. Etappe im Geländelauf.
An meinem Platz angekommen, war ich nass geschwitzt und sah sicherlich wie ein garer Hummer aus. Aber ich dachte, dass nun endlich alles glatt geht. Ob ich nun um 20:38 Uhr oder 21:38 Uhr in Amsterdam ankomme, war mir eigentlich reichlich egal.
Bis Utrecht durfte ich dieses gute Gefühl genießen. Aber kurz vor Einfahrt in den Bahnhof Utrecht hatte sich die Bahn eine pfiffige Animation für uns alle ausgedacht. Mit einer einfachen Durchsage wurde uns mitgeteilt, dass der ICE heute in Utrecht endet, da er zurück nach Köln fahren muss, um dort "pünktlich" Fahrgäste aufzunehmen. Dankenswerterweise wurde noch erwähnt, dass man um 21:25 Uhr mit einem IC der holländischen Bahn von Gleis 7 nach Amsterdam weiterfahren kann. Zu diesem Zeitpunkt war es kurz nach 21 Uhr. Massig Zeit also...
Aber das wäre ja langweilig, wo wir uns doch alle in Düsseldorf so schön warm gelaufen haben. Also mussten wir vor dem Bahnhof Utrecht bis ca. 21:17 Uhr warten, damit man unserem ICE ein Gleis zum Parken zuweisen konnte.
In Utrecht folgte die 3. Etappe des leichten Geländelaufs. Kurz vor 22 Uhr kam ich endlich in Amsterdam an.
Das war mein Abenteuer. Am Donnerstag finde ich mal heraus, wie die Bahn sich dazu stellt, dass ich teile meines Fahrpreises zurückerstattet bekommen möchte.
Und dennoch bleibe ich Bahnbefürworter und -fahrer, denn Autofahren nervt mich in der Regel mehr und zuverlässiger.