Ich kann mich im gesamten letzten Jahr an kein Buch erinnern, dass mich nachhaltig gefesselt hat und bei dem ich unfähig war es aus der Hand zu legen, bevor ich die letzte Seite gelesen hatte. Eigentlich erinnere ich mich nur voller Unbehagen an Limit von Frank Schätzing.
Zu Weihnachten habe ich mir dann Auf eine Zigarette mit Helmut Schmidt geschenkt. Das einzige was ich darüber wusste, war dass es sich dabei um Auszüge einer Kolumne der Zeit handelte in der Giovanni DiLorenzo Helmut Schmidt interviewte und das ich den Titel herrlich politisch unkorrekt fand. Da ich DiLorenzo und Schmidt ausserdem sehr schätze für ihre Arbeit und für ihre Art zu denken und zu sprechen, vermutete ich, dass dieses Buch einfach kein Fehlkauf sein konnte.
"Helmut Schmidt raucht ja nicht nur Zigaretten. Jedes Mal bringt er Schnupftabak mit und trinkt dazu Kaffee mit Milch und extra viel Zucker. Unsereins würde angesichts dieser Dröhnung wie Rumpelstilzchen durch die Flure hüpfen. Schmidt dagegen ist dann überhaupt erst auf Betriebstemperatur." (Giovanni di Lorenzo im "Spiegel" vom 28. April 2008)
Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht, sondern bei weitem übertroffen.
Das Buch ist ein Best-of der Zeitkolumne in der Giovanni DiLorenzo über den Zeitraum von ein-einhalb Jahren jeden Freitag Helmut Schmidt für die Dauer einer Zigarette interviewte. Manchmal waren es sicherlich auch mal zwei Zigaretten, die dort geraucht wurden.
Die Themen dieser kurzen und teils sehr intensiven Interviews waren politische Themen aus Vergangenheit und Gegenwart, persönliches aus dem Leben von Helmut Schmidt und häufig ging es auch um Meinungen von Helmut Schmidt - manchmal brachial vorgetragen, meistens aber mit diskretem hanseatischen Charme.
Ich kann dieses Buch jedem nur empfehlen. Absolut lesenswert. Ich hätte auf jeden Fall beinahe mal auf dem Klo übernachten müssen, weil ich nicht aufhören konnte, darin zu lesen.